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Presse

Vertriebswege: „Wir müssen nicht mehrerer Herren Diener sein“

Interview mit Dietmar Bläsing, Sprecher der Vorstände der VOLKSWOHL BUND Versicherungen
Herr Bläsing, fühlt sich der VOLKSWOHL BUND als reiner Maklerversicherer rundum wohl?

Ja, wir fühlen uns alle sehr wohl! Wir bewegen uns in einem wachsenden Marktsegment. Ich sehe auch keinen Grund dafür, dass sich daran etwas ändern sollte. Ein Beleg dafür ist, dass sich mittlerweile alle Versicherungen um diesen Vertriebsweg bemühen. Was allerdings auch den Wettbewerb härter macht.

Es gibt aber Veränderungen: Mehr Geschäft kommt über Pools, größere Vertriebe und Verbünde. Wie erleben Sie das?

Das halte ich in Zeiten wachsender Regulatorik – die meines Erachtens in einigen Bereichen über das erträgliche Maß hinausgeht – für normal. Ein Makler kann die regulatorischen Anforderungen nicht mehr allein erfüllen. Er braucht Hilfe dabei, und die sucht er nicht beim einzelnen Versicherungsunternehmen. Stattdessen schließen sich viele Vermittler Pools und großen Vertrieben an. Die Kontaktbeschränkungen während der Corona-Pandemie haben ihr Übriges dazu getan. Gewinner sind die Vertriebspartner, die mit Pools und großen Vertrieben arbeiten und dort das Rüstzeug für ihre digitale Beratung erhalten haben.

Was macht dies mit den Abschlusskosten?

Dass hierfür zusätzliche Overheads anfallen, ist klar. Diese Kosten kämen aber auch auf uns zu, wenn wir die Dienstleistungen selbst bieten würden. Erst recht, wenn wir eine eigene Ausschließlichkeitsorganisation hätten. Insofern kann man es auch als eine Art Outsourcing betrachten.

Andere Versicherer können Wachstumsbestrebungen auf mehrere Vertriebsschultern, zum Beispiel Ausschließlichkeitsorganisationen oder Banken, verteilen. Schielen Sie nicht doch manchmal nach anderen Vertriebskanälen?

Unter Diversifikationsgesichtspunkten hie und da schon, insbesondere, wenn die Regulatorik droht, Makler und andere freie Vertriebspartner stärker zu beeinträchtigen als andere Vertriebswege wie zum Beispiel eine AO. Andererseits können wir uns ganz auf diesen Vertriebsweg fokussieren, müssen nicht mehrerer Herren Diener sein und können unseren gesamten Marktauftritt als sogenannter „Maklerversicherer“ gestalten.

Für unsere Vertriebspartner bedeutet das unter anderem, dass sie beim Kunden im Mittelpunkt stehen und nicht der Versicherer, dass sie der Souverän sind, der bestimmt, was bei welchem Versicherungsunternehmen eingedeckt wird, und dass keine CRM-Systeme oder Cross-Selling-Maßnahmen des Versicherungsunternehmens in ihre Bestände grätschen.

Machen Sie sich Sorgen, dass Kunden irgendwann auch Biometrie- und Altersvorsorgeprodukte digital abschließen?

Ich bin jetzt seit 25 Jahren Vertriebsvorstand beim VOLKSWOHL BUND und in all den Jahren wurde prophezeit, dass die Kunden künftig alles selbst abschließen werden, ohne Vertrieb. Erfüllt hat sich das meines Erachtens nur bei hochstandardisierten Produkten und auch dort nur bei bestimmten Kundengruppen, die allerdings größer werden. Bei der Frage der existenziellen Absicherung warne ich vor einem „Do it yourself“-Verfahren, denn wenn man merkt, dass man bei der Absicherung des Alters, der Arbeitskraft, des Pflegefalls, des Todesfalls, der schweren Krankheit und ähnlichen Schicksalsschlägen einen Fehler gemacht hat, ist es für eine Korrektur zu spät. Diese Beratung gehört in die Hand eines kompetenten Beraters.

Dieses Interview lesen Sie auch in AssCompact 06/2022, S. 110, und in unserem ePaper.

Bild: © sebra – stock.adobe.com

Mikrofinanzfonds – Nachhaltig Investieren in Reinkultur

Ein Artikel von Günther Kastner, Gründer und CIO von I-AM Impact Asset Management

Nachhaltiges Investieren liegt im Trend, denn es kann etwas bewirken – zumindest dann, wenn man es richtig macht. Die Aussicht, Rendite mit der Erfüllung von Nachhaltigkeitszielen zu verbinden, ist für viele Anleger zur Voraussetzung für ein Investment in aktiv gemanagte Fonds und ETFs geworden. Per Ende 2021 erreichte das Anlagevolumen nachhaltiger Fonds in Europa mit 4,6 Mrd. US-Dollar einen neuen Rekordwert. Damit machten als nachhaltig eingestufte Fonds bereits 42,4% des gesamten EU-Fondsvermögens aus. Auch die Regulierung von nachhaltigen Investments nimmt immer mehr Gestalt an. In diesem Jahr ist der erste Teil der EU-Taxonomieverordnung in Kraft getreten, die nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten, zunächst für den Bereich Klimawandel, definiert.

Umstrittene Nachhaltigkeitsmerkmale

Dort wo Licht ist, ist aber auch Schatten. Dies gilt auch beim nachhaltigen Investieren. So sorgte die Einstufung der Atomkraft und von Erdgas als nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten durch die EU-Kommission im Rahmen der EU-Taxonomieverordnung für Empörung. Auch die zunehmend unübersichtliche Anzahl nachhaltiger Finanzprodukte verstärkt den Eindruck, dass ein grünes Label immer mehr Marketingzwecken dient. Um genau diesem Greenwashing vorzubeugen, hat das Analysehaus Morningstar mehr als 1.600 nachhaltige Fonds einem eigenen ESG-Research unterzogen und infolgedessen von der eigenen Liste nachhaltiger Fonds gestrichen – trotz der Deklarierung als „nachhaltig“ laut der EU-Offenlegungsverordnung.

Mikrofinanzfonds: Direkten sozialen Impact erzielen

Eine Form des echten nachhaltigen Investierens sind Mikrofinanzfonds. Sie zählen zu den Impact Investments, die durch direkte finanzielle Förderung von Kleinstunternehmern in Schwellen- und Entwicklungsländern unmittelbare soziale Wirkung entfalten. Damit gehören sie gemäß der EU-Offen­legungsverordnung zu den „dunkelgrünen“ Artikel-9-Fonds – der Königsklasse der nachhaltigen Fonds –, die ein nachhaltiges Anlageziel verfolgen müssen.

Die Idee der Mikrofinanzkredite wurde durch den bengalischen Wirtschaftsprofessor Muhammad Yunus populär gemacht. Er erhielt für das Konzept der Mikro­finanz im Jahr 2006 den Friedensnobelpreis. Die Grundidee ist aber wesentlich älter und heute ein integraler Bestandteil unseres erfolgreichen Finanzsystems. Die Gründung der Volksbanken und Sparkassen vor über 200 Jahren basiert auf den Ideen der Hilfe zur Selbsthilfe und dem Solidaritätsprinzip. Der Zugang zur Geldbeschaffung über ein funktionierendes Kreditsystem sollte jedermann ermöglicht werden. An diesem Zugang mangelt es aber weiterhin weltweit, obwohl nachgewiesen ist, dass Hilfe zur Selbsthilfe in ganz kleinem Maßstab ein zentraler Baustein für nachhaltiges Wachstum aus der Armut heraus sein kann.

Armut und daraus folgend finanzielle Exklusion sind trotz des weltweiten Fortschritts in der Armutsbekämpfung noch immer ein Problem epidemischen Ausmaßes. Nach Angaben der Weltbank sind 1,7 Milliarden Erwachsene weltweit ohne Bankkonto. Die Corona-­Pandemie hat die globale Armuts­lage verschärft. Laut Oxfam sind seit Ausbruch der Corona-Pandemie 163 Millionen Menschen in die Armut abgerutscht. Rund 3,4 Milliarden Menschen leben damit unterhalb der von der Weltbank definierten Armutsgrenze von 4,80 Euro am Tag. Auch der Ukrainekrieg, der zu stark steigenden Energie- und Agrargüterpreisen geführt hat, dürfte viele Entwicklungsländer weiter zurückwerfen.

Für die Vergabe der Kredite, die in Mikrofinanzfonds enthalten sind, sind entsprechende spezialisierte lokale Banken verantwortlich. Diese Mikrofinanzinstitute fungieren auch als lokale Ansprechpartner für die Kreditnehmer vor Ort. Oftmals müssen die Kleinstunternehmer nur kleine Summen als Darlehen aufnehmen, um den Weg in die unternehmerische Selbstständigkeit zu schaffen. Dem Friseur kann der Stuhl, einem Kleinhändler ein neuer Kühlschrank oder dem Fahrer seine motorisierte Rikscha oder das erste eigene Taxi finanziert werden.

Darauf sollten ESG-Investoren bei Mikrofinanzfonds achten

Auch wenn Mikrofinanzfonds die höchste Stufe der Nachhaltigkeit erfüllen, sollten Anleger individuell prüfen, welche Anlagestrategie der Fonds konkret verfolgt. Um einen möglichst hohen sozialen Impact zu erzielen, sollte die Anlageselektion auf einem umfassenden Due-Diligence-Prozess beruhen. Dazu gehört die sorgfältige Auswahl geeigneter Mikrofinanzinstitute, die Kreditnehmern faire Konditionen anbieten. Auch der regelmäßige Besuch des Fonds­managements in den Ländern vor Ort, bei denen auch direkt stichprobenartig einzelne geförderte Projekte begutachtet werden, ist Teil der Due-Diligence-Prüfung.

Lösungen von Impact AM

Die von Impact Asset Management angebotenen Mikrofinanzfonds verfolgen ebenso einen stringenten Auswahlprozess. Dabei handelt es sich um folgende Fonds:

  • Dual Return Fund – Vision Microfinance
  • Dual Return Fund – Vision Microfinance Local Currency

Die beiden Mikrofinanzfonds tragen dadurch gleich zu 11 von 17 Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen bei. Dazu gehören auch weniger offensichtliche SDGs wie die Geschlechtergleichstellung. 52% und damit eine leichte Mehrheit der Kreditnehmer des Dual Return Fund – Vision Microfinance sind Frauen. Dementsprechend wird die Armutsbekämpfung bei Frauen, die ein höheres Risiko haben, in Armut zu fallen, aktiv angegangen und die Stellung von Frauen als Unternehmerinnen gerade in vielen patriarchalisch geprägten Schwellen- und Entwicklungsländern gestärkt. So kann gesellschaftlicher Wandel hin zu mehr Gleich­berechtigung gefördert werden.

Gutes tun und nicht auf Rendite verzichten

Anleger können bei Mikrofinanzfonds nicht nur ein hohes Maß an Nachhaltigkeit erwarten, sondern auch finanzielle Ziele erreichen. Bei Mikrofinanzkrediten handelt es sich um ein Segment des Fixed-Income-Marktes, das relativ unkorreliert zu den Weltaktienmärkten, aber auch zum Anleihenmarkt ist. Gerade während volatiler Marktphasen eignen sie sich zur Stabilisierung des Portfolios. Die Ausfallraten sind gering. Die kurz laufenden Kredite werden durchschnittlich zu 98% zurückgezahlt. Eine hohe Diversifikation des Portfolios mit Mikrofinanzinstituten aus verschiedenen Ländern und Kontinenten reduziert das Anlagerisiko weiter. Mikrofinanzfonds wie der Dual Return Fund – Vision Microfinance (ISIN: LU0236782842) stellen also einen wichtigen risikominimierenden Investmentbaustein für ein ausgewogenes Impact-Portfolio dar, das wirklich etwas bewirkt.

Diesen Artikel lesen Sie auch in AssCompact 06/2022, S. 40 f., und in unserem ePaper.

Bild: © Impact Asset Management GmbH

Luxusimmobilien: Nicht mehr alles lässt sich verkaufen

Die deutschen Partner des Immobilienmaklernetzwerks Sotheby’s International Realty sehen eine starke Ausdifferenzierung auf dem Markt für Luxus- und Premiumimmobilien. „Wir beobachten an allen unseren Standorten diesen Markttrend, sowohl bei der Nachfrage als auch – als Folge dessen – bei den Preisen. Es ist längst nicht mehr alles sowohl nachgefragt auf der einen, als auch verkäuflich auf der anderen Seite“, erklärt Susanne Zimmermann, die Sotheby’s-International-Realty-Partnerin für Sylt/Schleswig-Holstein. Top-Objekte ohne Sanierungsbedarf stehen bei Käufern hoch im Kurs und werden schnell und zu weiterhin hohen Preisen verkauft. Anders sieht es bei Objekten aus den 70er-, 80er- oder 90er-Jahren aus, die modernisiert werden müssten: Hier ist die Nachfrage geringer, sodass hier die Preise stagnieren und mitunter sinken. „Gründe für diese Marktentwicklung sind zum einen die jetzt wieder steigenden Zinsen sowie die weiter anziehende Inflation“, sagt Olivier Peters, von Sotheby’s International Realty in Frankfurt und Wiesbaden. Geringere Nachfrage nach Top-Grundstücken Zum anderen würden sich der anhaltende mangelnde Handwerker- und Materialverfügbarkeit bemerkbar machen, die bei Sanierungen die Kosten treiben. Dies hat laut der deutschen Partner von Sotheby’s International Realty auch Auswirkungen auf die Situation am Grundstücksmarkt. „Bei Top-Grundstücken geht aktuell die Nachfrage extrem zurück. Hier machen sich die fehlenden Arbeitskräfte und Materialien extrem bemerkbar“, führt Tobias Schulze von Sotheby’s International Realty in NRW aus. Vor allem Bauträgergeschäft spürt Auswirkungen Besonders das Bauträgergeschäft, das derzeit aufgrund der Zins- und Inflationssituation eine schlechte Planbarkeit aufweist, ist von den Folgen betroffen, sodass sich die Anzahl der Projektentwicklungen verringert. „Wir sehen also einen geteilten Markt. Obwohl das Angebot an Premiumobjekten durchaus gegeben ist, steht für Käufer im Moment die Objektqualität absolut im Vordergrund, für die nach wie vor hohe Preise zu erzielen sind“, so die Partner von Sotheby’s International Realty. Insgesamt bestehe aber weiterhin ein hoher Nachfrageüberhang im Markt und Premiumimmobilien seien nach wie vor stark gefragt. (tk) Bild: © Mathias Weil – stock.adobe.com

Die Dialog wird 50 und feiert

Die Dialog, der Maklerversicherer der Generali in Deutschland, feiert in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen und beging dieses Jubiläum mit einem Festakt am 24.06.2022. Gemeinsam mit Vertriebspartnern, Verbandsrepräsentanten sowie jetzigen und früheren Vorständen feierten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den Unternehmensgeburtstag am Stammsitz Augsburg. In Zusammenarbeit mit The Human Safety Net organisiert die Dialog aus Anlass des runden Geburtstages eine Spendenaktion, die dem SOS Kinderdorf in Augsburg zugutekommen soll. The Human Safety Net ist die internationale Stiftung der Generali Group, die benachteiligte Menschen dabei unterstützt, ihre Chancen selbst zu verbessern und zu einem guten und sicheren Leben in ihren Familien und Gemeinschaften beizutragen.

Ein Stück Unternehmensgeschichte

1972 als „Erste Augsburger Leben Versicherungs-Aktiengesellschaft“ gegründet, ist sie heute ein großer Player in den Maklermärkten in Deutschland und Österreich. Zwei Jahre nach ihrer Betriebsaufnahme ging die Erste Augsburger Leben bereits in den Besitz des Deutschen Lloyd über und wurde damit Teil der internationalen Generali Gruppe. 1983 erfolgte die Umbenennung in Dialog Lebensversicherungs-AG. 2003 wurde die Dialog ein eigenständiger Spezialversicherer für biometrische Risiken unter dem Dach der damaligen AMB Generali.

Seit 2019 für das gesamte Generali-Maklergeschäft verantwortlich

Den größten Bedeutungszuwachs erfuhr die Dialog 2019 durch die Übertragung der Verantwortung für das gesamte Maklergeschäft der Generali in Deutschland: Neben dem Lebensversicherungsgeschäft gehören inzwischen auch der bAV-Bereich sowie das Schaden- und Unfallversicherungsgeschäft zur Dialog.

Heute arbeiten 800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Generali Deutschland AG für die Dialog. Sie erwirtschaften in der Zusammenarbeit mit 19.000 Vertriebspartnerinnen und -partnern in Deutschland und Österreich rund 900 Mio. Euro Beitragseinnahmen pro Jahr. (ad)

Bild: © jro-grafik – stock.adobe.com

R+V Kranken bietet elektronische Patientenakte an

In Technologiekooperation mit IBM Consulting bietet die R+V Krankenversicherung bald die elektronische Patientenakte (ePA) an. Der elektronische Service für die Vollversicherten startet zum Sommer 2023. In der ePA sind Befunde, Arztbriefe sowie weitere Gesundheitsdokumente wie etwa der Impfpass an einem Ort sicher gespeichert. So erhält der behandelnde Arzt schnell einen umfassenden Überblick über seinen Patienten. Der Patient wiederum hat alle wichtigen Dokumente gesammelt an einem Ort und kann selbst entscheiden, wer welches Dokument sehen darf. 

IBM Consulting wird das ePA-Aktensystem, eine individualisierte Service-App sowie einen Identitätsprovider bereitstellen und den sicheren Betrieb in Rechenzentren in Deutschland realisieren. Die beiden Unternehmen haben eine enge Zusammenarbeit vereinbart, um die ePA entsprechend der Anforderungen der Privatversicherten anzupassen und weiterzuentwickeln.

Service-Offensive startet schon im Juli 2022

Die Einführung der ePA ist Teil einer Service-Offensive, mit der die R+V ihre Angebote für ihre rund 65.000 Vollversicherten ausbaut. Bereits im Juli 2022 starten die Angebote „Family Coach“ mit vielen Services rund um die Familienplanung und die erste Zeit nach der Geburt sowie „Best Specialist“, bei dem den Versicherten besonders qualifizierte Ärzte für bestimmte Behandlungen empfohlen werden. Viele der Services werden auch den Zusatzversicherten und den Kunden einer betrieblichen Krankenversicherung zur Verfügung stehen. (ad)

Lesen Sie auch: R+V-Kranken: „Wir können noch viel mehr“

Bild: © MQ-Illustrations – stock.adobe.com

Das war der Fondskongress 2022

Am 21.06.2022 war es wieder einmal so weit. Der Fondskongress in Mannheim öffnete seine Pforten. Ungewöhnlich waren gleich mehrere Dinge. Zum einen, dass der Kongress nicht wie üblich im Winter stattfand, sondern bei hochsommerlichen Temperaturen im Juni. Zum anderen konnte der Fondskongress in diesem Jahr seine 20. Auflage feiern. Eigentlich hätte das Kongressjubiläum zwar bereits 2021 stattfinden sollen. Aufgrund der Corona-Pandemie musste die Veranstaltung im Vorjahr jedoch ausfallen. 2021 musste der Kongress aussetzen Nach einem Jahr Zwangspause freuten sich viele Vermittler und Berater darauf, endlich wieder in den persönlichen Austausch miteinander und mit den Gesellschaften treten zu können. Viel Prominenz vertreten Vor der großen Bühne im Mozartsaal wurden die Gäste derweil auch nicht enttäuscht. Hochkarätige Redner und Interviewgäste erwarteten die Besucher. Darunter fand sich branchenfremde Prominenz aus Politik und Gesellschaft, wie beispielsweise der ehemalige EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker oder der Skirennläufer Felix Neureuther. Fachliche Diskussionen und Vorträge Aber auch erfahrene Fondsmanager wie Dr. Jens Ehrhardt oder Dr. Bert Flossbach standen auf der Bühne und erläuterten, wie sie gedenken, ihre Fonds durch die aktuellen Herausforderungen zu manövrieren. In einer Talk-Runde diskutierte der Philosoph Richard David Precht mit der ehemaligen Familienministerin Kristina Schröder, dem Ökonomen Marcel Fratzscher und Henning Vöpel vom Centrum für Europäische Politik über die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens. Auch kontroverse Meinungen vertreten Platz fanden aber auch umstrittene Meinungen. So hielt beispielsweise der Fondsmanager und ehemalige Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten, Max Otte, einen Vortrag. Das Antreten Ottes hatte damals für Aufsehen gesorgt, da er – obwohl CDU-Mitglied – von der AfD als Bundespräsident vorgeschlagen worden war. 10xDNA-Fonds unter Beschuss Und auch anderweitig bekannte Gesichter wie der Fondsinitiator und Höhle-der-Löwen-Juror Frank Thelen kamen zum Kongress. Wenngleich sich dessen Vortrag hauptsächlich auf die Möglichkeiten technischer Fortschritte konzentrierte, kam er doch nicht um die Thematisierung der Performance des durch ihn initiierten Fonds (10xDNA Disruptive Technologies) herum. Thelen gab auf Nachfrage dann aber auch unumwunden zu: „Die Performance ist beschissen“. Gleichzeitig empfahl der Investor und Risikokapitalgeber aber, bei zukunftsweisenden Investitionen immer in längeren Zeiträumen zu denken und bei kurzfristigen Rückschlägen nicht gleich ins Zweifeln zu geraten. (tku)

Kommunikation mit Versicherten: Wen ärgert Gendersprache?

Gendergerechte Sprache – von den einen abgelehnt, von den anderen gefordert. Die Debatte darüber reißt nicht ab. Und auch in der Versicherungsbranche fragt man sich: Wie sprechen wir unsere Kunden … oder Kundinnen und Kunden … oder Kund:innen angemessen an? Dann kommt eine weitere Frage hinzu: Möchten die Kundinnen und Kunden lieber geduzt oder gesiezt werden? Mehrheit fühlt sich durch Gendern nicht gestört Der Kundenmonitor Assekuranz 2022 mit dem Schwerpunktthema „Kommunikation – heute“ von der Sirius Campus GmbH in Kooperation mit der Aeiforia GmbH liefert zu diesen und weiteren Fragen einige Ergebnisse. Im Gesamtergebnis zeigt sich: Eine Minderheit von 12% findet das Gendern explizit gut. Zusammengerechnet findet sich allerdings eine Mehrheit von 57%, die die gendergerechte Sprache nicht stört. 39% der Befragten ärgern sich darüber. Gendern – Ein Generationenkonflikt? Interessant wird es, schaut man auf die Antworten der verschiedenen Altersgruppen. Dort zeigen sich laut Sirius Campus extreme Alterseffekte: In der Gruppe bis 30 Jahren fühlen sich lediglich 18% durch das Gendern gestört. 78% finden es ok. Von den 31- bis 55-Jährigen sagen 36%, es stört sie. Und im Alter über 55 Jahren ärgert sich rund jede zweite befragte Person (51%) darüber. Formen des Genderns Nun hat das Gendern bisher keine feste Form. Es gibt u. a. die Nennung beider Geschlechter („Maklerinnen und Makler“) und das Binnen-I („GeschäftsführerInnen“) oder auch mehrgeschlechtliche Schreibweisen wie den Genderstern („Partner*innen“), den Doppelpunkt („Unternehmer:innen“) sowie den Unterstrich („Berater_innen“). Diese Ansprachevarianten werden akzeptiert Untersucht wurde daher auch, wie verschiedene Anspracheformen angenommen werden. Es zeigt sich: Die Nennung beider Geschlechter ist mit insgesamt 81% am meisten akzeptiert. Es folgen das generische Maskulinum („Anleger“) mit 76% und die geschlechtsneutrale Formulierung („Versicherungsnehmende“, 75%). Im Detail zeigt sich hier, dass die Älteren die Nennung beider Geschlechter sogar etwas häufiger positiv beurteilen als das traditionelle generische Maskulinum (28% vs. 25%). Zudem bevorzugen sie diese Form des Genderns eher als die Jüngeren (25%). Denn unter diesen sprechen sich noch mehr für die geschlechtsneutrale Formulierung (31%) aus. Besonders in den sozialen Netzwerken von Versicherern wird die Nennung beider Geschlechter für angemessen gehalten. Der Anteil der Verärgerten ist bei keiner der betrachteten Varianten höher als 35%. Lieber ein „Du“ oder ein „Sie“? Und wie sieht es mit dem Duzen aus? Auch dazu gibt die Untersuchung entsprechende Ergebnisse her: Lediglich 17% finden das Duzen in der Werbung oder in den sozialen Netzwerken gut, wohingegen 21% sich darüber ärgern. Von den Online-Kundinnen und -kunden finden 22% ein „Du“ in Ordnung. Bei den Maklerkunden und -kundinnen finden das Duzen nur 9% positiv. In der persönlichen Beratung mit der Vermittlerin oder dem Vermittler wünschen sich 17% das „Du“, während 53% in der Versicherungsberatung lieber gesiezt werden möchten. Gendern und Duzen nach Alter? Abschließend unterteilt Sirius Campus die Kundinnen und Kunden in drei Gruppen: Die jüngste Altersgruppe (bis 30 Jahre), die sowohl dem Duzen als auch dem Gendern in der Kundenansprache tendenziell positiv gegenübersteht Die mittlere Altersgruppe (31- bis 55 Jahre), die das Duzen prinzipiell befürwortet, aber beim Gendern Vorbehalte hat Die höchste Altersgruppe (über 55 Jahre), die sich sowohl mit Gendern als auch mit Duzen eher schwertut Schlussfolgerungen für Zielgruppen der Versicherer Dazu Martin Gattung, Gründer und Geschäftsführer der Aeiforia GmbH: „Die Befragung zeigt, dass Versicherer hinsichtlich Kommunikationsweg, Anrede und Sprache noch zielgruppenorientierter vorgehen müssen, wenn sie ihre Kunden erreichen wollen. Was nutzen Online-Kundenportale, wenn sie nur von Wenigen genutzt werden? Digitalisierung ist auf dem Vormarsch, aber bei Weitem noch nicht überall angekommen.“ Versicherungsthemen in Social Media Zudem wird noch darauf hingewiesen, dass die spontanen Reaktionen der Privatkunden in den sozialen Netzwerken eher negativ sind und sich zuletzt sogar verschlechtert haben. Auch bei den jüngeren Nutzern sozialer Netzwerke sagen 58%, Versicherungsthemen seien dort fehl am Platz. Bei den 30- bis 50-Jährigen, also der Altersgruppe, von der Facebook vor allem genutzt wird, gibt es 69% Ablehnung. Jedoch weist Christoph Müller, Gründer und Geschäftsführer von Sirius Campus, darauf hin, dass „Sirius Campus in einer non-reaktiven Werbewirkungsmessung ermitteln [konnte], dass Kfz-Versicherungswerbung über die sozialen Medien durchaus wahrgenommen wird und wirksam sein kann.“ Die Ablehnung von sozialen Medien beziehe sich deswegen nur auf die aktive Suche, verhindere jedoch nicht die Wirkung von Werbung. Über die Untersuchung Für die Untersuchung „Kommunikation – heute“ aus dem Kundenmonitor Assekuranz 2022 wurden im April 2022 insgesamt 2.046 Entscheider und Mitentscheider in Versicherungsangelegenheiten zwischen 18 und 69 Jahren befragt. Betrachtet wurden die Einstellungen und Erwartungen von Versicherungskunden zum Thema Kommunikation. (lg) Sie haben eine Meinung zum Duzen oder Gendern in der Versicherungs- und Finanzbranche? Hinterlassen Sie einen Kommentar – hier oder auf unserer Facebook-Seite. Bild: © Wayhome Studio – stock.adobe.com Grafik: © Sirius Campus GmbH / Aeiforia GmbH

BFH: Knock-out-Zertifikate sind keine Termingeschäfte

Nach § 15 Abs. 4 Satz 3 des Einkommensteuergesetzes (EStG) unterliegen Verluste aus Termingeschäften grundsätzlich einem Ausgleichs- und Abzugsverbot, d. h. sie können nur sehr eingeschränkt mit Gewinnen aus eben solchen Geschäften verrechnet werden, sie mindern aber im Übrigen nicht die Bemessungsgrundlage der Körperschaftsteuer oder der Einkommensteuer. Aus Sicht des Gesetzgebers ist es gerechtfertigt, für besonders riskante Geschäfte derartige Beschränkungen vorzusehen. Finanzamt: Zertifikatsverluste unterliegen dem Ausgleichs- und Abzugsverbot In einem konkreten Streitfall hatte eine GmbH von einer Bank ausgegebene Unlimited-Turbo-Bull-Zertifikate erworben. Als sogenannte Knock-out-Zertifikate zeichneten sie sich durch die Möglichkeit aus, mit relativ geringem Kapitaleinsatz überproportional an der Wertentwicklung des zugrunde liegenden Basiswerts zu partizipieren. Erreichte oder durchbrach der Basiswert jedoch eine bestimmte Kursschwelle, dann verfielen die Zertifikate nahezu wertlos. Bedingt durch ein Absinken des jeweiligen Indexstandes fiel der Wert der von der GmbH erworbenen Zertifikate, wodurch diese einen erheblichen Verlust realisierte. Das Finanzamt vertrat die Auffassung, dass die Zertifikatsverluste dem Ausgleichs- und Abzugsverbot unterliegen. BFH: Knock-out-Zertifikate sind gewöhnliche Schuldverschreibungen Der Bundesfinanzhof (BFH) sah die Sache allerdings anders: Die Anwendung des § 15 Abs. 4 Satz 3 EStG hänge entscheidend davon ab, ob ein Termingeschäft vorliege. Dieses sei vom sogenannten Kassageschäft abzugrenzen, bei dem der Leistungsaustausch sofort oder innerhalb einer kurzen Frist zu vollziehen sei. Bei Knock-out-Produkten in Form von Zertifikaten handele es sich aber um gewöhnliche Schuldverschreibungen, die im Streitfall Zug um Zug gegen Bezahlung übertragen worden seien. An dem für ein Termingeschäft typischen Hinausschieben des Erfüllungszeitpunkts habe es gefehlt. (ad) BFH, Urteil vom 08.12.2021 – I R 24/19 Bild: © studio v-zwoelf – stock.adobe.com

Zurich überträgt traditionelles LV-Portfolio an Viridium

Die Zurich Gruppe Deutschland überträgt ihren Bestand an traditionellen Lebensversicherungspolicen an Viridium, den Spezialisten für das Management von Lebensversicherungsportfolien. Beide Unternehmen haben eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet. Die Transaktion beinhaltet die Übertragung des traditionellen Lebensversicherungsgeschäfts der Zurich Deutscher Herold Lebensversicherung AG (ZDHL). Von den insgesamt rund drei Millionen Lebensversicherungsverträgen gehen etwa 720.000 traditionelle Policen mit einer Deckungsrückstellung von rund 20 Mrd. Euro in eine zu diesem Zweck neu gegründete Gesellschaft über. Unmittelbar nach der geplanten Übertragung soll diese Lebensversicherungsgesellschaft an Viridium veräußert und dort unter einer neuen Marke eingegliedert werden. Durch die Akquisition wachsen der Vertragsbestand der Viridium Gruppe auf rund 4,5 Mio. Euro und das verwaltete Vermögen auf insgesamt rund 92 Mrd. Euro. Mit dieser fünften Transaktion binnen acht Jahren baut die Viridium Gruppe ihre Marktposition im Bereich der Konsolidierung geschlossener Lebensversicherungsportfolios in Deutschland weiter aus. Die Transaktion erfolgt unter dem Vorbehalt der aufsichtsrechtlichen Genehmigungen. „Die Übertragung der traditionellen Lebensversicherungspolicen reduziert die Kapitalintensität der bestehenden Lebensversicherungsportfolios und hat einen positiven Einfluss auf unser Zinsrisiko. Die Entscheidung unterstreicht unsere Strategie, dass Zurich als einer der führenden Versicherer in Deutschland sich auf Bereiche konzentrieren wird, in denen wir für unsere Kunden, Partner und Aktionäre den größten Mehrwert erbringen können“, kommentiert Dr. Carsten Schildknecht, Vorstandsvorsitzender der Zurich Gruppe Deutschland. Und Dr. Tilo Dresig, CEO der Viridium Gruppe, sagt: „Wir freuen uns, die Lebensversicherungsverträge für die entsprechenden Kunden der Zurich Deutscher Herold langfristig fortzuführen. Der fünfte Erwerb eines Lebensversicherungsbestands ist der logische nächste Schritt in unserer erfolgreichen Entwicklung seit 2014. Er unterstreicht zugleich, dass Viridium mit ihrem spezialisierten, auf nachhaltigen Kundennutzen ausgerichteten Modell des Bestandsmanagements als verlässliche Partnerin der Lebensversicherungsbranche fest etabliert ist.“ Nach Angaben beider Unternehmen werde für Versicherte und Vertriebspartner im Rahmen der Transaktion Kontinuität sichergestellt. Alle vertraglichen Verpflichtungen würden von der Viridium Gruppe unverändert fortgeführt. (ad) Bild: © Kurhan – stock.adobe.com

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